Mittwoch, 26. November 2008

Trödler und die Leichen im Keller


«Ring-ring!»

«Psychiatrische Praxis Spinner & Triezmann, guten Tag. Meine Name ist Steffi Spinner…»

«Juten Tach wohl. Hier ist der wahre Trödler. Hihi, jut wat? Aba es wird noch besser.»

«Aha. Und wie kann ich Ihnen helfen, Herr Trödler?»

«Ne, Sie verstehn mar miss, meine Liebe. Ick kann und will Ihnen helfen. Und zwar uff die Sprünge da hier.»

«Ach… Sie sind ein Springer? So von Blümchen zu Blümchen?»

«Hör’n Se mir uff mit dem Jemüse. Ick bin doch kein Springbock. Ne, es dreht sich bei mir um das Leichen-Marketing.»

«Interessantes Phänomen. Reden Sie bitte weiter.»

«Also, ick hab doch da dieses olle Foto von mia als Ramsch… äh… als Leiche zwischen meinem Ramsch. Dat hat soviel Anklang jefunden, da dacht ick mir, icke verkaufe dat als Marketing-Stratejie: „Sie haben noch keine Leiche im Keller? Buchen Se mir – tot oder lebendig!“ Na, wie finden Se dat, so quasi „Rent a dead“.»

«Und Sie lassen sich dann ausgraben oder wie?»

«Jenau! Und dann verklag ick Sie.»

«Versteh ich nicht so richtig. Was soll denn das Ganze?»

«Weiss ick doch auch nich. Is aber ausbaufähig. Ick könnt zum Beispiel auch zu Ihnen kommen, mir so tot drapieren, wie Sie wünschen und Sie lichten mir dann selbst ab.»

«Nein danke, lebende Tote kommen mir nicht ins Haus!»

«Dann hätt ick für Sie exklusiv en Foto von einer echten Leiche. Dat hab ick schon der Feuerwehr, der Polizei, dem Bürgermeister, Bush, Bin Laden, den Schintiolotschen (wie schreiben die sich bloss?), dem Musikantenstadel und Donald Duck jeschickt. So als Beweis, dat ick so was jekriegt hab von einer Schlampe, der ick aufn Senkel geh. Ick lass mir doch nich meine Idee vorwegklauen. Es kann nur eine Leiche geben: The one and only Trödler!»

«Also, Herr Trödler, kommen Sie am besten gleich mal bei uns vorbei. Wir haben da ein schönes Sofa…»

«Auja, auf einem schönen Sofa komm ick mit meinem Trödler-Outfit als Leiche besonders jut. Ick könnt Ihr Sofa auch in Zahlung nehmen für meine Marketing-Dienste. Da hätt ick auch gleich das Beweisstück, wenn ick Sie hinterher verklaje. Ick lass mir doch kein Sofa andrehn, wo eine Leiche drauf lag!»

«Haben Sie diese Macke schon länger?»

«Wat heisst da Macke? Ick bin so jeboren. Sind sowieso alles Schintoliotschen da hier. Besonders auf Sofas hocken die gerne.»

«Diese Schinto-dingsbums sitzen bei uns nicht auf dem Sofa.»

«Natürlich bumsen die nich auf Ihrem Sofa, die liegen bereits als Leichen in Ihrem Keller.»

«Äh…»

«Sehen Sie! Und jenau deswejen hat das jar keinen Sinn, mit Ihnen Jeschäfte machen zu wollen. Ick lass mir doch von den Scholintokokken nich auf meiner Leiche rumbums… äh…trampeln! Kann ja janz schön eng werden bei Sie im Keller.»

«Dann können wir die Angelegenheit also als gestorben betrachten?»

«Solche unsensiblen Anspielungen auf meinen Zustand verbitte ick mir! Bloss, weil ick jeleicht bin, bin ick noch lange nich jestorben.»

«Entschuldigung, Herr Trödler…»

«Nix da, ist jetzt alles belegt, mitjeschnitten und doppelt verbucht. Sie wollen mir auf Ihrem Sofa flachlejen. Ick hab jegoojelt: Nekrophilie nennt man das. Jawoll. Ick muss jetzt sowieso auflegen, meine Ladentür hat jeklingelt…

«Wir schicken Ihnen ein erfahrenes Team vorbei!»

«Ick brauch Ihren Büsiater nicht, schizo bin ick schon selber. Ach! Juten Tag, Herr Bin Laden!…»

«Tut-tut-tut…»

Dienstag, 2. September 2008

Trödler und die Google-Schaentolotschen oder so…äh…

Unser liebster Ramschheini hat seinen ultimativen Erzfeind gefunden: Goggel. Verzeihung: Google. Da schnüffelt er seit Jahren sämtlichen Mädels – ja, genau, den «alles Schlampen!» –, die seine Wege (meist unbeabsichtigt) kreuzen, mit Inbrunst hinterher. Verfolgt sie bis in den hintersten Winkel des Internets. Scheut nicht davor zurück, die Vita der «alles Schlampen da hier!» kreativ zu verfälschen. Diese verficht er dann lauthals im www als Wahrheit, weil doch Google immer Recht hat…

Hm… nun kratzt sich unser Schäbigkeitsverwerter irritiert seinen spärlich borstigen Haarkranz: «Wenn Guujel immer Recht hat, dann stimmt ja auch dat alles, wat ick über mir da so lese…» So manch ihm bis dato unbekannte Eigenart findet er da über sich. Trödelchen, der so sagenhaft umwerfend auf die Weiber wirkt, muss da lesen, dass ihn keine auch nur mit der Zange anfassen würde. «Die Schlampen verklag ick subito wegen mir nichts, dir nichts.» Seine – sagen wir einmal eigenwillige – Verwertung von Früchten bei Früchtchen lässt ihm seinen alltäglichen Obstsalat sauer aufstossen. «Ick verklage den Dingsbums Warhol, weil er meine Banane da hier zu Kunst machte!» Aha. Und da verfolgt er vehement und mit Inbrunst diese resistenten blonden Schlampen, weil sie sich nicht von ihm verfolgen lassen wollen. Und jetzt? Jetzt verfolgt er sich, steht da, selbst, weil er seinen Hialluzina… Hallizuli… Hillizona… Hallziguzi… Hally-Gally… ach, Holsderteifi!… weil er sich selbst nicht mehr übers Wollmützchen traut.

Schlagartig wird unserem Trash-Spezi klar: Gluggl, Verzeihung: Google ist unterwandert von den Schintolotschisten! Wer sonst könnte derart tief in seine kleine Krämerseele blicken? Oder blickt er da gar selbst durch? Getreu seiner Passion wühlt er tief in den Kehrichtsäcken von Gogels, Verzeihung: Google und fördert aus den Cache-Untiefen längst Geschreddertes, Gespültes und Kremiertes hervor, recycelt es liebevoll und stellt es neu ein. Ein Müllverwerter durch und durch eben.

Diesen Google-Schiittolotschen wird er es schon zeigen! Ha! Mit ihrem eigenen Cache-Müll wird er sie an den Eiern kriegen. Nichts bleibt seinen listigen Schweinsäuglein verborgen. Er wird bis aufs letzte Fitzelchen alle Leichen (auch seine eigene) wieder aus dem riesigen Internet-Kompostberg ausbuddeln und dann verklagt er sie alle: Die Schlampen, die Medien, die Esoteriker, die Bananenpflanzer, Shakespeare, die Plattidüden, die Polizei sowieso, alle Trödler, sich selbst, seine Telefonnummer, seine Adresse und seine Rechnungen. «Alles Säntisolotschen da hier. Aba ick lass mir nich für blöd verkofen, wa? Verkofen darf nur icke, weil ick en Jewerbe habe. Jetzt kriegen se die Rechnung! Diese Saintolatschen stecken alle unter einem Hut.» Sagt’s und zieht sich sein listiges Mützchen über die Öhrchen.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Trödler und der Leserbrief

Regelmässig erreichen unsere Redaktion Reaktionen aus dem Umfeld. Der Grossteil unserer Leser hat mächtig Spass an unserer Web-Novela und würde dies am liebsten mit vielen Lach-Smilies kund tun und verbreitet unsere Story mit dem grössten Vergnügen weiter. Natürlich gibt es auch solche, die meinen, wir würden übertreiben; so ein Exemplar sei auf der freien Wildbahn schlichtweg nicht wirklich zu finden. (Glauben Sie uns, lieber Leser, unsere Inspiration kommt tatsächlich von einem halblebendigen Deppen, wobei diese Spezies Ramschheini mit Sicherheit ein Allerweltsübel und somit eigentlich überall anzutreffen ist.)

Hin und wieder erreicht uns auch ein Brief, wie zum Beispiel der, den wir unlängst auf unserem Schreibtisch hatten. In billigem grauem Couvert (kurioserweise mit Bleistift (!) beschriftet) steckte ein liniertes Blatt Papier, Grösse A5, einmal gefaltet, die linke obere Ecke eingerissen. In unübersehbar krackelig ärgerlicher Schrift steht da: «Sie finden wohl, dass sei Literatur, was Sie da von sich geben. Es ist aber nur peinlich, weil Sie mir gar nicht kennen. Ihre Wortwahl ist ebenfalls unter aller Sau und eigentlich ist eh alles Scheisse, was Sie hier so verkotzen. Sie haben soviel Ahnung vom wirklichen Leben eines Trödlers, wie ick von Frauen. Echte Recherche könnte man doch wohl verlangen und nicht diesen hirnlosen Schrott. Hochachtungsvoll, M.T. aus E.»

Hmm… Sehr geehrter Herr M.T. aus E, ich muss schon sagen, Ihre auserwählte Schreibe beeindruckt mich tief. Trödler – das wissen wir bereits bestens – zeichnen sich nicht durch ausgesuchte Höflichkeit aus. Insofern möchten wir von der Redaktion Sie gar nicht näher kennen lernen. Und wenn doch, dann höchstens, um Ihnen den Bleistift, den Sie für die Couvertbeschriftung benutzten, – mit Verlaub –, sonst wohin zu stecken. Denn wo’s sackgrob daher kommt, soll’s sackgrob erwidert werden. Wobei mir spontan bei «sackgrob» die Assoziation von dem netten spanischen Ausdruck «cojones» kommt, die Sie bestimmt nicht haben. Also, lieber Herr Mickey Tick-Tack-Trick aus Entenhausen, wir von der Web-Novela-Redaktion würden ja nur allzu gerne in Ihrem rüden Stil schwungvoll mit Ihnen korrespondieren (Hach, täte das wohl, sich verbal mit Ihnen zu zoffen!). Doch leider würde unsere Chefredaktorin uns was pfeifen, beziehungsweise uns gehörig in den Allerwertesten treten, da dies keinesfalls unserem Niveau (bei Ihnen heisst dies Nivea) entspräche. Und das, lieber Herr Trödler, sind Sie uns denn doch nicht wert. Darum beschränken wir uns auf verbale Kastration an dieser Stelle. Hochtrabende Literatur hin oder her, sogar der alte Goethe hatte bei aller Weltliteratur seinen trivialen Spass am Banalen. In diesem Sinne schätzen wir Sie als Banalität über alles. Gäbe es Sie nicht, müssten wir Sie hier erfinden. Hochachtungsvoll, Redaktion Trödlerkram.

Dienstag, 31. Juli 2007

Trödler und die Selbstanzeige

«Ring-Ring…»

«Polizeirevier 25. Wie kann ich Ihnen helfen?»

«Guten Tag. Hier spricht Trödler. Ick möchte mir selbst anzeigen.»

«Aha. Weswegen denn?»

«Eben. Ick bin der Trödler.»

«Das ist für sich ja noch nichts Kriminelles.»

«Das Problem ist aber, dass mir niemand glaubt, dat ick der Trödler bin. Ick kann machen, wat ick will.»

«Was haben Sie denn bisher schon gemacht?»

«Also, ick belästige Frauen, ick verfolge die Schlampen bis in die Schlafzimmer, beleidige sie, ihre Freunde, ihre Ex-Freunde, ihre Väter, Mütter, Arbeitgeber, Hunde, Katzen und Meerschweinchen, schick ihnen Fotos von mir als Leiche, verklage sie dann…»

«Sie verklagen Ihre eigene Leiche…??»

«Wat…? Ne, nicht mir selber! Die Schlampen. Besonders alle blonden. Die sind ganz verrückt nach mir. Det heisst, eigentlich nach dem Trödler; drum will ick auch so sein wie der. Ick will der Trödler sein.»

«Sozusagen ihr eigenes alter ego.»

«Ne, lassen Se bloss meinen Alten aus dem Spiel! Und der hiess auch nicht Egon.»

«Äh……»

«Also, nehmen Se nun meine Selbstanzeige an oder muss ich Se erst verklagen?»

«Sie zeigen sich also an wegen Stalking?»

«Genau. Wegen Storking. Wenn ick damit zum Trödler werde….»

«Sie können doch ein Trödler sein, ohne sich anzuzeigen. Von denen gibt’s doch wie Sand am Meer.»

«Eben!!! Ick will nur dieser eine Trödler sein. Der Trödler aller Trödler. Der Ober-Ramschheini. Der König der Geschmacklosigkeit. Was interessiert es mich, ein Trödler unter vielen zu sein?! Himmel, ick gäbe mein letztes Wollmützchen her, um mal soviel Spass zu haben, wie der Kehrrichtverwerter. Ick wühl nur im Schrott, halte mir alte Jungfern vom Hals und sonst ist alles Banane.»

«Bananenhändler also auch noch?»

«Lassen Se mir bloss mit der Banane in Ruh! Mit der ist eh nix los. Aber ick mach dafür ganzseitige Inserate, dat ick der one and only Trödler bin, grab im Internet nach scheinheiligen Beweisen, dat dat ick bin, stell immer wieder meinen Namen neben den des Trödlers, schreib gross meine Adresse rein, veröffentliche meine Handy-Nummer. Glauben Se, dat nützt was?! Keine Schlampe schert sich um mir.»

«Mich.»

«Um Sie? Dat ist nun nachweisbar eine ganz grosse Verschwörung da hier. Aber dat sag ick Ihnen: Ick lass mir von Sie nicht das Prädikat Trödler klauen. Ick hab mir nämlich auch mal selbst fotografiert in so einer schicken Bullen-Uniform und dann das Foto meiner Angebeteten geschickt. Ick bin also so quasimodo auch einer von Ihnen. Drum könnt ick mir eigentlich auch bei mir direkt selbst anzeigen…»

Polizist, nach hinten gewandt: «Kollegen, ruft doch mal in der Klapse an. Die sollen das schicke weisse Blüschen aufbügeln für den Typen hier.»

Polizist an den Trödler: «Kann es sein, dass sie an multipler Persönlichkeit leiden?.»

«Aber ganz und gar nicht, Herr Kollege! Es kann nur einen geben!!!»

«Ich seh da grad… Ich glaub, wir kennen uns bereits. War da nicht mal was mit einem Anhänger… und verschwundenen Büchern…?»

«Klick. Tut-tut-tut…»

Freitag, 6. Juli 2007

Trödler als Schmierenkomödiant

Prolog:
Die Besitzerin eines kleinen, feinen Provinztheaters war gestorben. Unser allseits bekannter Ramschler, ab und zu auch in diesem Theater anzutreffen (nachdem er aus zahlreichen anderen wegen Spendenaffairen, Stalking weiblicher Besucher und mutwilliger Störung des Thaterbetriebes rausgeflogen war), witterte seine Chance zur Diversifikation, machte öffentlich ein Riesengeschrei über «den herben Verlust seiner lieben Freundin», erweckte damit den Anschein redlicher Trauer und schlich sich so in das Theatermanagement ein. Sofort wollte er den Spielplan von klassischen Stücken hin zu Schenkelklopf-Komödien ändern, sämtliche Rollen selbst spielen und natürlich auch die Regie führen. Regisseur Schang und ein paar Getreue boten dem Trödler standhaft Widerstand. Sein Ziel hartnäckig verfolgend, baute er seine Forderung alsdann lauthals in die Vorführung ein. Nachfolgend ein Auszug aus «Romeo und Julia»:

Trödler: Romeo
Justitia: Julia
Stasi-Angie: Amme
Stöffel: Mercutio
Friedrich: Tybald
Schang: Regisseur
Grütze: Souffleur

Szene: Julia steht auf dem Balkon und lauscht den süssen Worten Romeos.

Julia: «Oh, willst du schon gehen? Der Tag ist ja noch fern.»

Romeo: «Nichts da, der Tag ist nah, an dem dieses Theater mir gehören wird.»

Julia (leicht irritiert): «Es war die Nachtigall und nicht die Lerche, die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang.»

Romeo: «Der Schang war´s, dieser Nachtverkünder,
 niemand will ihn; sieh den neid´schen Streif der Deppen hier.
 Der dort, der an Bord für Gewitterwolken sorgt,
 der Schang hat seine Kerzen ausgebrannt. Ich geh jetzt und schmeiss ihn aus dunst´gen Höhn. Nur Eile rettet mich, Verzug ist Tod.»

Mercutio, am Boden liegend: «Halt dich an den Text, du Idiot!»

Romeo: «Halt die Klappe, Mercutio, du bist tot!»

Julia: «Dein Fackelträger diese Nacht zu sein,
 Dir auf dem Weg nach Mantua zu leuchten…»

Romeo: «Ja, heim leuchten will ich diesem Schang! Lass mich
ihn greifen! Lass mich ihn töten!»

Regie: «Romeo, wir geben heute «Romeo und Julia» und nicht «Richard III.»

Zaghafter Applaus aus den Zuschauerreihen.

Tybald schreitet würdevoll den Degen schwingend auf die Bühne und überreicht Romeo das Textbuch: «Hier steht, du nichtsnutziger Montague, was du zu sagen hast!»

Julia: «Es ist die Lerche, die so heiser singt und raue Weisen, falschen Misston gurgelt.»

Romeo: «Genau, an die Gurgel geh ich dir, so du die Regie nicht überlassest mir.» Und leicht erstaunt: «Mann, det reimt sich sogar…»

Regie: «Du fliegst gleich raus, du komischer Vogel!»

Julia: «Romeo, so bleibe noch. Zu gehen ist ja noch nicht Not.» Und an Tybald gewandt: «Misch dich nicht ein, du übler Capulet!»

Romeo: «Wer kopuliert…?»

Auftritt der Amme: «Ach, jetzt hab ich meinen Text vergessen…»

Grützes Stimme aus dem Untergrund: «Macht nix, Amme. Plapper einfach dem Romeo nach.»

Zuschauerstimme: «Ist das jetzt hier „Kuck mal, wer da spricht?“»

«Pssssssst…!»

Julia: «Die Lerche sagt man, wechselt mit der Kröte…»

Mercutio, immer noch am Boden liegend: «Und dafür krieg ich zweihundert Kröten und ein kleines Helles.»

Tybald zu Mercutio: «Wird der Trödler Chef, darfste noch zahlen, damit ich dich erstechen darf.»

Romeo: «Stets heller – und stets dunkler unsre Leiden. Reich mir deine Brust, Amme! Mich dürstet nach Rache.»

Vorhang fällt unvermittelt. Ein Aufschrei geht durchs Publikum. Hinter dem Vorhang rumpelt es.

Stimme, wahrscheinlich die von Romeo: «Macht mal jemand das Licht an?»

Stimme, wahrscheinlich die von Tybald: «Ich blas dir gleich deines aus, du Schmierenkomödiant!»

Stimme, wahrscheinlich die vom Souffleur: «Das tönt nach braunem Sumpf und gehört nicht hierher!»

Klatschendes Geräusch.

Stimme, wahrscheinlich die von Romeo: «Autsch!»

Stimme, wahrscheinlich die von Julia: «Runter von mir, Romeo!»

Stimme, wahrscheinlich die von Mercutio: «Kann ich jetzt aufsteh’n? Ich will dem Trödler eine scheuern.»

Regie: «Wir unterbrechen kurz mit ein wenig Werbung.»

Stimme, wahrscheinlich die von Romeo: «Runter von mir, Amme!»

Stimme, wahrscheinlich die der Amme: «Aber du hast doch gesagt, wir kopulieren…»

Stimme, wahrscheinlich die von Tybald: «Scheisse, ich krieg den Degen nicht aus Mercutio raus.»

Regie: «Ist zufällig ein Arzt da?»

Stimme aus dem Zuschauerraum: «Ich bin Arzt. Dr. House. Aber im falschen Film.»

Epilog:
Die Balgerei hinter den Kulissen ging noch eine Weile weiter. Die Zuschauer waren sich in ihrer Meinung über die Darbietungen des Ensembles nicht einig, argumentierten, wurden lauter, schrien sich an, um schliesslich ebenfalls in einer fröhlichen Rauferei zu enden.

Unser Hauptdarsteller zog sich diskret von dieser Bühne zurück, nicht ohne während Wochen Flugblätter mit üblen Pamphleten gegen das kleine Theater zu streuen. Er trat in Talkshows auf, schrieb Leserbriefe an die «Bild» und gab Radiointerviews. Unser Ramschheini schrieb ein eigenes Stück. Ein Einmannstück mit vier Personen, die er alle selbst spielte. Auf der Hebebühne eines alten Lasters.

Doch seine Rache wird kommen. Unser Anwärter für die «Matschige Banane» gründete sein eigenes Schmierentheater und bringt Stücke aus Pixi-Büchern. Mit den üblichen Verdächtigen als Entourage und ihm selbst als Omnipräsenz. Sein Konterfei grinst von den «grössten Plakaten der Branche» (O-Ton), sein Ramschladen verhökert seine Drehbücher als Raritäten. Daneben verklagt er natürlich Gott, sich selbst und die Welt. Und die Schihitologen (wie schreiben die sich bloss?).

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Mittwoch, 6. Juni 2007

Trödler als Flatrate-Kläger

Streitbar ist ein herausragendes Prädikat der Trödler. Müssen sie sich doch dauernd mit anderen Müllverwertern um die zivilisatorischen Reste balgen. Das geht im Laufe der Jahrzehnte schon ins Blut über. Da wird gerauft um jeden Preis. Vorzugsweise um nichts.

Nehmen wir beispielsweise unseren bewährten Vorzeige-Trödler: Der hat in regelmässigem Turnus seine Ich-verklage-dich-koste-es-was-es-wolle-Phase. Findet er nichts, dann klagt er gegen dieses Nichts. Oder er wird überaus kreativ (eine Eigenschaft, die ihm nicht wirklich steht). Dann erfindet er sich quasi selbst. Forscht in den Tiefen des Internet nach möglichen und unmöglichen Ähnlichkeiten mit seiner Allerweltsperson. Und dann vertrödelt er Zeit – Tage, Nächte, Wochen – damit, sein kleinbürgerliches Dasein dem aufregenden Leben eines Romanhelden anzupassen. Nein, nicht, um das aufregende Leben eines Romanhelden zu führen! Um diesen Romanhelden zu verklagen! Jawoll. Und die Schlampen gleich mit. Alle Ex-Freundinnen sowieso, den Hund der Nachbarin auch, dessen Flöhe und den Scheissvogel, der ihm das Ladenfenster versaute. Den Ex-Freund der Ex-Freundin und deren Kaninchen (die treibens wie die Karnickel, das kann man nicht so stehen lassen). Den Postmann, weil der immer zweimal klingelt. Die Schaientolotschen, weil die sich so schreiben, dass sie es verdienen. Ebenso die «Plattidüden» und die «Storker». Blondinen, weil die bekanntlich mehr Spass ohne ihn haben. Bananenanpflanzer, weil die Schuld an Grösse und Konsistenz dieser dämlichen Frucht haben. Windoof, weil es Bill Gates gehört. Und sowieso alle Schlampen, die es wagen, sich seiner Streithähnigkeit zu entziehen. Was hat er sich entblödet, sich das Mäntelchen des Sitzengelassenen, des Verschmähten, des schnöde Verlassenen, des unermüdlich Scharrenden, des Daueranrufers und Dauermailers angezogen! Nichts hat’s genützt. Es hat ihn keine verklagt. Niemand will mit ihm spielen. Jetzt marschiert er zur Polizei, legt mal alle Fakten auf den Tisch und erstattet Anzeige wegen Nichtbeachtung seiner demolierten Persönlichkeit, welche er selbstredend zur Selbstanzeige bringt. Und wenn er schon dabei ist, verklagt er im selben Aufwasch noch seinen Anwalt. Und selbstverständlich natürlich auch die Polizei.

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Dienstag, 29. Mai 2007

Interview mit einem Trödler

Trödlerkram: Guten Tag, Herr Trödler. Nett, dass Sie uns für ein Gespräch zur Verfügung stehen. Wie geht es Ihnen?

Herr Trödler: Fragense mir nich! Ick bin jrade anderkower untawegs und mag es überhaupt nich, wenn man mir dabei stört.

Trödlerkram: Undercover? Tragen Sie deswegen dieses…hm… sagen wir mal originelle Mützchen?

Herr Trödler: Wat heesst da orijinellet Mützchen?! Det kaschiert die Beule, die ick mir jeholt hab, als ick hier da im Trödlerkram n’paar Weiber anmachte. Kommense mir bloss nich mit die Weiber! Alles Schlampen! Alles Schiitolotschinnen! Hab mir aber jerächt. Bin nämlich nu anderkower untawegs im Jästebuch hier.

Trödlerkram: Das kann nicht sein, Herr Trödler. Das Gästebuch existiert doch seit Wochen nicht mehr.

Herr Trödler: Tja, da brauchense aber wat Schlaueres, um mir zu bremsen. Ick kopier doch immer allet aus die Foren. Hab schon vier externe Harddiscs mit je fünf Giga voll mit Beweismittel jejen alle und allet. Wenn mal wem sein Forum abkackt, nur melden bei dem Onkel Trödler. Ick schick dann den Bäckup oder wie dat heesst.

Trödlerkram: Sie schweifen ab. Wie ist das nun mit unserem Gästebuch?

Herr Trödler: Ja, also, da hab ick von Anfang an den Link gespeichert. Da könnense nu runternehmen, wat Se wollen, ick schreib da für mir weiter. Hamse wohl ne Macke im Projramm hier. Bin ja en kleweret Bürschchen, wa? Da kann icke nu die Sau rauslassen, dass es mir die Banane schält. …’schuldigung.

Trödlerkram: Das ist aber illegal, was Sie da treiben. Ihnen ist schon bewusst, dass wir Sie deswegen bei den Eiern kriegen können?

Herr Trödler: Wat denn? Ick schreib doch immer unter Pseudonym (wat glaubt ihr, wie lang ich im Dudel geblättert hab, bis ich rauskriegte, wie man dat Wort schreibt!), da kommt man mir nie auf die Schliche. Und wat soll dat mit meene Eier…? Kapier ick jetzt nich, den Gäg…

Trödlerkram: Aber Ihr «Undercover-Gästebuch» kann doch niemand lesen, wenn es nicht aufgeschaltet ist.

Herr Trödler: Ne, kriejen ja auch nur Auserwählte zu lesen. Denen schick ick den Link, dann können se mitverfoljen, wie ick die Schlampen fertich mach.

Trödlerkram: Ist das nicht ein etwas einsames Vergnügen?

Herr Trödler: Ick bin mer jewöhnt einsam zu sein. Jedes Genie ist einsam. Abba weil die Schlampen keine Mails von mir lesen, meine Nummer an sämtlichen Telefonapparaten sperren, die Post ungeöffnet zurücksenden und sogar meine Brieftaube «à l’Orange mit Pomme Duchesse» jegrillt haben, muss ick mir selber beschäftijen.

Trödlerkram: Sie drohen den Damen da ganz massiv. Ist das die gentlemanlike, feine Art?

Herr Trödler: Ick bin keen Tschäntlemän, ick bin en Prolet. Mit Wollmützchen.

Trödlerkram: Trotzdem. Sie drohen mit rechtlichen Schritten, nennen die Damen beim Namen, verunglimpfen sie, wollen Geld von ihnen… Was sagt Ihnen überhaupt, dass Sie die Ansprechperson in der Novela sind beziehungsweise, dass die Damen die Damen sind, welche?

Herr Trödler: Na hören Se mal! Da hab ick en Exklusivrecht auf dat Attribut «Trödler». Wär ja noch schöner, wenn ick jar nich damit jemeint wäre! Da würd ick mit allen rechtlichen Schritten vehement drauf bestehen! Ick dulde doch da nich en andern Typen bei! Notfalls greif ich zur altbewährten Selbstbeleidigung und oute mich selbst. Ick setz sojar den janzen Namen samt mener Adresse, Telefonnummer und Krajenweite hier rinn, damit de janze Welt weess, dat ick dat bin. Wo kommt man da sonst zu so ne Publicity?!

Trödlerkram: Wie wir von Ihnen erfahren durften, haben Sie auch die Polizei deswegen kontaktiert.

Herr Trödler: Oooch, die grünen Jungs sind ja janz niedlich in ihren Outfits. Sagte ick Ihnen schon, dass ick grüne Kleider mag? Ick hatte da so’n kotzgrünen gerippten Anzug, stand ma echt jut!

Trödlerkram: Sie weichen schon wieder ab…

Herr Trödler: Na jut, lassen wa meinen unfehlbar schlechten Jeschmack. Die grünen Jungs kennen mir ja jut. Ick hatte da vor Jahren mal so ne Jeschichte loofen mit nem jestohlenen Anhänger voll mit Büchern. Also, eijentlich wars n’ beschlagnahmter Anhänger voll mit jestohlenen Büchern. Ne, andersrum: Et war en beschlagnahmter Anhänger voll mit Büchern, die ick mer «wiederbeschafft» habe. Die Jungs behandeln mir wie en alten Kumpel.

Trödlerkram: In Ihrem eigenen Interesse wechseln wir schnell das Thema. Möchten Sie etwas zur Spendenaffaire sagen?

Herr Trödler: Wat heesst hier da und dort Affaire? Ick hab mir seinerzeit dat Spendengejaule beim Stacheldrahtzaunbau unter den Najel reissen wollen. Imitschförderung und so, Se verstehn? Dazu musste ich dat Imitsch von der Schlampe erst ma plätten. Danach noch tüchtich aufn Putz hauen, die janze Schose als meinen Jeistesblitz ausjeben und traraaa! ick war der Hero! Kommt mir jrad so ne dolle Idee: Ick gründe die «Imitschvernichtungs-AG & Co. KG GmbH». Dat kann ick bestens. Notfalls grab ick och alte Leichen aus. Dat wär dann dat dritte Standbein, die «Rent-a-Dead-GmbH». In meinem Archiv hat’s für jede Jelejenheit die passende Leiche. Anruf, jenücht, Bild kommt sofort! Meine Rufnummer ist…

Trödlerkram: Halt! Halt! Wir wollen doch hier keine Schleichwerbung machen. Nachher verklagen Sie uns noch, weil wir Ihre Nummer hier veröffentlicht haben. Machen Sei das ruhig selbst im gesperrten Gästeforum. Aber seien Sie versichert, dass wir Sie bei Ihren Unternehmungen tatkräftig unterstützen werden. Irgendwie sind Sie uns ans Herz gewachsen.

Danke, dass Sie uns in Ihre ganz persönlichen Abgründe blicken liessen – uns ist leicht schwindlig dabei – und uns an Ihren geistigen Höhenflügen teilhaben liessen.

Herr Trödler: Bitte, bitte, war mir en Vergnüjen. Endlich hört mir mal jemand zu da hier. Soll ich Ihnen noch wat über den Banana-Man erzählen?

Trödlerkram: Na, nu ist aber jut, Herr Trödler…

Herr Trödler: Und der Teufelin möchte ick noch sajen, se soll mir die 40'000 Euro auf das Spendenkonto…

Trödlerkram: Halt!! Schluss!!! Aus!!!

Herr Trödler: Ick lass mir hier da nüscht sajen, wat! Ick übernehm hier einfach die Seite, ist sowieso allet kopiert und dokumentiert…

Trödlerkram: Sicherheitsdienst!!!! Hiiiilfeee!!!

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