Dienstag, 29. Mai 2007

Trödler und die Schlampen

Er fühlt sich verfolgt. Seit Jahren schon. Und ein Ende ist nicht absehbar. Denn, was kann er dafür, dass er so schön ist? So geistreich. So charmant. So grosszügig. Einfach ein Traum für die Damenwelt.

So steht unser trödeliger Freund vor seinem angelaufenen, von Mückenschissen der letzten 20 Jahre übersäten Trödelspiegel und blickt sich selbstverliebt in die kleinen, verschlagenen Schweinsäuglein.

Ein Elend ist das! Alle Weiber wollen was von ihm. Was? Zugegeben, das ist ihm auch nicht ganz klar. Um nicht zusagen, überhaupt nicht klar. Er hat wohl einfach diese unwiderstehliche Wirkung auf Frauen. Alles hatte er schon versucht, sie sich vom Hals zu halten: das Tragen grauenvoller dreckfarbener Outfits und in einsamen Winternächten selbstgestrickter Wollmützen (gerne in Signalfarben), die Mitleidheischtour «Mir wird das alles zu viel…», die Bin-fast-am-Abkratzen-Tour «Ich hab Schnupfen, die Krätze und einen Pickel am Arsch – ich glaub, ich muss sterben», den Trick mit dem tagelang nicht duschen. Hoffnungslose Unterfangen, da er die Schlampen eh nie zu Gesicht bekam. So konnte keine wahrhaftig sagen, sie könne ihn nicht riechen. Und unser geschmacksverirrter Kleingeist kam nie in den Genuss, wenigstens einer der Tussis mal sagen zu können, wie gerne er mal an ihr riechen würde.

Ha, die Galle schwappt in ihm hoch, wenn er an diese Berglerin denkt. Was hatte er sich ins Zeug gelegt, ihr einmal seinen übelriechenden Atem ins gepuderte Näschen zu blasen. Sämtliche Register hatte er gezogen, seine vermodertsten Leichen aus dem Keller geholt, seinem Konterfei auf Fotos den grünlich-guhlhaften Touch gegeben, hatte sich als vielbegehrter Hero geoutet, wollte sie zu Marzipanbrot und Fluppe einladen… Sie hatte ihm nicht mal die Genugtuung gelassen, ihr zu sagen, dass er eigentlich gar nichts von ihr wolle, weil sie irgendwie nichts von ihm wollte. Dabei war sie ganz verrückt nach ihm gewesen. Ja, ein erfahrener Weiberheld wie er spürt so was. Dieser gleichgültige Widerstand war ein eindeutiges Indiz dafür. Wenn er nur dran dachte, wie sie hoch oben in ihrer Kate sass und sich das güldene Haar bürstete, sich über ihn lustig machte. Doch seine Stunde würde noch kommen. Wenn er sie erst mit rosaroten Marzipantorten, seinem lila Wollmützchen und seiner Geistlosigkeit beeindrucken würde… dann, ja dann, wenn sie seufzend den Kaffee, zu dem er sie einladen würde, bezahlt hätte, dann würde er ihr sagen, dass sie ihn nie und nimmer haben könne, auch wenn sie ihn noch so gar nicht haben wolle.

Es gibt sie ungezählt: Stasi-Angie, die ihn in ihrer Vergesslichkeit anruft, nur um ihn zu fragen, wie er denn heisse. Die Dumbo-Prinzessin, die ihn verfolgt, weil sie so verzweifelt einen Mann will, dass sie wahrlich nicht wählerisch ist und all seine Marotten mit stoischem Gleichmut erträgt. Die rasende Irre, die froijubelhüpfkreisch kritische Stimmen mit Schokohasen stopft. Die Schlampen, die in seinen Laden kommen – natürlich nur wegen ihm, obschon das keine öffentlich zugibt. Die Schlampen, die er anruft um ihnen stundenlang seine Misere mit all den anderen Schlampen ins Ohr zu quengeln – und die sich so unbeeindruckt davon zeigen. Die Schlampen, die er in Chats gegeneinander auszuspielen versucht – und die ihn so schändlich verraten. Und diese besondere Schlampe, die die Telefonnummern, den Mail-Account und die Adresse wechselte, den Stecker auszog und die Läden dicht machte, vorsorglich die Kettensäge bereit stellte und ihre Zufahrt mit Tretminen gepflastert hatte – deutlicher konnte das Weibsstück seine Liebe gar nicht beweisen. Ihr würde er demnächst eine Brieftaube schicken mit der Botschaft, dass sie ihn kreuzweise könne, nämlich.

Sie alle, alle wollen ihm nur an die (Urrgh!) Wäsche. Er ist so schön, er ist so toll, er ist der Trödler-Proll! Eigentlich viel zu gut für diese Welt. Vielleicht sollte er sich selbst auf den Mond schiessen?

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