Mittwoch, 26. November 2008

Trödler und die Leichen im Keller


«Ring-ring!»

«Psychiatrische Praxis Spinner & Triezmann, guten Tag. Meine Name ist Steffi Spinner…»

«Juten Tach wohl. Hier ist der wahre Trödler. Hihi, jut wat? Aba es wird noch besser.»

«Aha. Und wie kann ich Ihnen helfen, Herr Trödler?»

«Ne, Sie verstehn mar miss, meine Liebe. Ick kann und will Ihnen helfen. Und zwar uff die Sprünge da hier.»

«Ach… Sie sind ein Springer? So von Blümchen zu Blümchen?»

«Hör’n Se mir uff mit dem Jemüse. Ick bin doch kein Springbock. Ne, es dreht sich bei mir um das Leichen-Marketing.»

«Interessantes Phänomen. Reden Sie bitte weiter.»

«Also, ick hab doch da dieses olle Foto von mia als Ramsch… äh… als Leiche zwischen meinem Ramsch. Dat hat soviel Anklang jefunden, da dacht ick mir, icke verkaufe dat als Marketing-Stratejie: „Sie haben noch keine Leiche im Keller? Buchen Se mir – tot oder lebendig!“ Na, wie finden Se dat, so quasi „Rent a dead“.»

«Und Sie lassen sich dann ausgraben oder wie?»

«Jenau! Und dann verklag ick Sie.»

«Versteh ich nicht so richtig. Was soll denn das Ganze?»

«Weiss ick doch auch nich. Is aber ausbaufähig. Ick könnt zum Beispiel auch zu Ihnen kommen, mir so tot drapieren, wie Sie wünschen und Sie lichten mir dann selbst ab.»

«Nein danke, lebende Tote kommen mir nicht ins Haus!»

«Dann hätt ick für Sie exklusiv en Foto von einer echten Leiche. Dat hab ick schon der Feuerwehr, der Polizei, dem Bürgermeister, Bush, Bin Laden, den Schintiolotschen (wie schreiben die sich bloss?), dem Musikantenstadel und Donald Duck jeschickt. So als Beweis, dat ick so was jekriegt hab von einer Schlampe, der ick aufn Senkel geh. Ick lass mir doch nich meine Idee vorwegklauen. Es kann nur eine Leiche geben: The one and only Trödler!»

«Also, Herr Trödler, kommen Sie am besten gleich mal bei uns vorbei. Wir haben da ein schönes Sofa…»

«Auja, auf einem schönen Sofa komm ick mit meinem Trödler-Outfit als Leiche besonders jut. Ick könnt Ihr Sofa auch in Zahlung nehmen für meine Marketing-Dienste. Da hätt ick auch gleich das Beweisstück, wenn ick Sie hinterher verklaje. Ick lass mir doch kein Sofa andrehn, wo eine Leiche drauf lag!»

«Haben Sie diese Macke schon länger?»

«Wat heisst da Macke? Ick bin so jeboren. Sind sowieso alles Schintoliotschen da hier. Besonders auf Sofas hocken die gerne.»

«Diese Schinto-dingsbums sitzen bei uns nicht auf dem Sofa.»

«Natürlich bumsen die nich auf Ihrem Sofa, die liegen bereits als Leichen in Ihrem Keller.»

«Äh…»

«Sehen Sie! Und jenau deswejen hat das jar keinen Sinn, mit Ihnen Jeschäfte machen zu wollen. Ick lass mir doch von den Scholintokokken nich auf meiner Leiche rumbums… äh…trampeln! Kann ja janz schön eng werden bei Sie im Keller.»

«Dann können wir die Angelegenheit also als gestorben betrachten?»

«Solche unsensiblen Anspielungen auf meinen Zustand verbitte ick mir! Bloss, weil ick jeleicht bin, bin ick noch lange nich jestorben.»

«Entschuldigung, Herr Trödler…»

«Nix da, ist jetzt alles belegt, mitjeschnitten und doppelt verbucht. Sie wollen mir auf Ihrem Sofa flachlejen. Ick hab jegoojelt: Nekrophilie nennt man das. Jawoll. Ick muss jetzt sowieso auflegen, meine Ladentür hat jeklingelt…

«Wir schicken Ihnen ein erfahrenes Team vorbei!»

«Ick brauch Ihren Büsiater nicht, schizo bin ick schon selber. Ach! Juten Tag, Herr Bin Laden!…»

«Tut-tut-tut…»

Dienstag, 2. September 2008

Trödler und die Google-Schaentolotschen oder so…äh…

Unser liebster Ramschheini hat seinen ultimativen Erzfeind gefunden: Goggel. Verzeihung: Google. Da schnüffelt er seit Jahren sämtlichen Mädels – ja, genau, den «alles Schlampen!» –, die seine Wege (meist unbeabsichtigt) kreuzen, mit Inbrunst hinterher. Verfolgt sie bis in den hintersten Winkel des Internets. Scheut nicht davor zurück, die Vita der «alles Schlampen da hier!» kreativ zu verfälschen. Diese verficht er dann lauthals im www als Wahrheit, weil doch Google immer Recht hat…

Hm… nun kratzt sich unser Schäbigkeitsverwerter irritiert seinen spärlich borstigen Haarkranz: «Wenn Guujel immer Recht hat, dann stimmt ja auch dat alles, wat ick über mir da so lese…» So manch ihm bis dato unbekannte Eigenart findet er da über sich. Trödelchen, der so sagenhaft umwerfend auf die Weiber wirkt, muss da lesen, dass ihn keine auch nur mit der Zange anfassen würde. «Die Schlampen verklag ick subito wegen mir nichts, dir nichts.» Seine – sagen wir einmal eigenwillige – Verwertung von Früchten bei Früchtchen lässt ihm seinen alltäglichen Obstsalat sauer aufstossen. «Ick verklage den Dingsbums Warhol, weil er meine Banane da hier zu Kunst machte!» Aha. Und da verfolgt er vehement und mit Inbrunst diese resistenten blonden Schlampen, weil sie sich nicht von ihm verfolgen lassen wollen. Und jetzt? Jetzt verfolgt er sich, steht da, selbst, weil er seinen Hialluzina… Hallizuli… Hillizona… Hallziguzi… Hally-Gally… ach, Holsderteifi!… weil er sich selbst nicht mehr übers Wollmützchen traut.

Schlagartig wird unserem Trash-Spezi klar: Gluggl, Verzeihung: Google ist unterwandert von den Schintolotschisten! Wer sonst könnte derart tief in seine kleine Krämerseele blicken? Oder blickt er da gar selbst durch? Getreu seiner Passion wühlt er tief in den Kehrichtsäcken von Gogels, Verzeihung: Google und fördert aus den Cache-Untiefen längst Geschreddertes, Gespültes und Kremiertes hervor, recycelt es liebevoll und stellt es neu ein. Ein Müllverwerter durch und durch eben.

Diesen Google-Schiittolotschen wird er es schon zeigen! Ha! Mit ihrem eigenen Cache-Müll wird er sie an den Eiern kriegen. Nichts bleibt seinen listigen Schweinsäuglein verborgen. Er wird bis aufs letzte Fitzelchen alle Leichen (auch seine eigene) wieder aus dem riesigen Internet-Kompostberg ausbuddeln und dann verklagt er sie alle: Die Schlampen, die Medien, die Esoteriker, die Bananenpflanzer, Shakespeare, die Plattidüden, die Polizei sowieso, alle Trödler, sich selbst, seine Telefonnummer, seine Adresse und seine Rechnungen. «Alles Säntisolotschen da hier. Aba ick lass mir nich für blöd verkofen, wa? Verkofen darf nur icke, weil ick en Jewerbe habe. Jetzt kriegen se die Rechnung! Diese Saintolatschen stecken alle unter einem Hut.» Sagt’s und zieht sich sein listiges Mützchen über die Öhrchen.